Hodentumor

Tumoren im Hodensack, die sich in den meisten Fällen als schmerzlose "Knoten" bemerkbar machen, können von verschiedenen Gewebsstrukturen ausgehen. So haben diese Geschwulste ihren Ursprung entweder im Hoden selber, im Nebenhoden, den Samensträngen oder den Hodenhüllen. Die meisten derartiger Veränderungen sind gutartig, jedoch können sich hinter diesen im Hodensack gelegenen "Knoten" selten auch einmal bösartige Tumoren verbergen. Deshalb muss jeder neu aufgetretene "Knoten" ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn er relativ schnell entstanden ist.

Bösartige Tumoren im Hodensack gehen am häufigsten vom Hoden selber aus. Sie machen klinisch im frühen Stadium keine besonderen Beschwerden, weshalb die Patienten oftmals erst relativ spät zum Arzt kommen. Im Vordergrund steht die schmerzlose Schwellung des Hodens, trotzdem können bereits Ableger (Metastasen) in verschiedenen Organen vorliegen. Seltene klinische Symptome sind Vergrösserung der Brustdrüsen sowie unklare Bauchschmerzen oder Luftnot, wenn der Tumor bereits fortgeschritten ist und zu Ablegern in Bauchlymphknoten oder der Lunge geführt hat. Dann kommen oftmals auch Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Leistungsknick, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme hinzu. Hinsichtlich der klinischen Befunde unterscheiden sich die bösartigen Tumoren von Hoden, Nebenhoden und Samenstrang kaum.

Begünstigende Faktoren für das Auftreten von Hodentumoren sind Entwicklungsstörungen und Fehllagerungen der Hoden. Bei Hodenhochstand, d.h. wenn der Hoden nicht im Hodensack sondern im Leistenkanal oder im Bauchraum liegt, ist das Risiko, an einem bösartigen Hodentumor zu erkranken, 20-30mal grösser als bei normaler Hodenlage.

Hodentumoren sind mit 1% aller bösartigen Tumoren des Mannes eher seltene Geschwülste. Andererseits sind sie bei Männern zwischen 20 und 35 die häufigsten bösartigen Tumoren und nehmen in den letzten 20 Jahren an Häufigkeit zu. Jährlich erkranken 2-4 Patienten pro 100000 Einwohner hieran. Nach dem 60. Lebensjahr sind Hodentumoren selten. "Den" Hodentumor gibt es nicht.

Mit 85-90% aller Hodentumoren stehen die sog. Keimzelltumoren ganz im Vordergrund. Dies ist eine heterogene Gruppe bösartiger Geschwulste (Seminom, embryonales Karzinom, Chorionkarzinom, Dottersacktumor, Polyembryom, Teratom), die sich alle von den Keimzellen, das sind Spermien und Ihre Vorläuferzellen, herleiten. Die übrigen Hodentumoren sind sogennante Stromatumoren (Leydig-Zell-Tumor, Sertoli-Zell-Tumor, Granulosazelltumor, Gonadoblastom, Androblastom) und leiten sich von den Bindegewebszellen des Hodens ab. Diese Tumoren sind überwiegend gutartig, lediglich 10-20% von ihnen verhalten sich bösartig und können Ableger in verschiedenen Organen bilden. Vereinzelt findet man auch Metastasen bösartiger Tumoren anderer Organe im Hoden.

Die Prognose der Hodentumoren hängt ab von der Art und geweblichen Ausreifung des Tumors, der Ausdehnung sowie dem Vorhandensein von Metastasen. Um die ersten beiden prognostischen Faktoren zu bestimmen muss der tumorverdächtige Hoden zuerst operativ freigelegt und bei Bestätigung des Verdachtes auf einen bösartigen Hodentumor entfernt werden. In Abhängigkeit der Tumorart und seiner Ausdehnung sowie röntgenologisch festgestellter Metastasierung erfolgen gegebenenfalls nachfolgend eine Strahlentherapie-   oder Chemotherapie selten weitere operative Behandlungen. Allgemein kann gesagt werden, dass über 90% der Hodentumoren heutzutage geheilt werden können. Gutartige Hodentumoren können organerhaltend operiert werden und bedürfen keiner zusätzlichen Therapie.

Eine weitere Gruppe von Tumoren, die im Hodensack liegen, sind die sogenannten paratestikulären Tumoren. Paratestikulär bedeutet hierbei, dass sie zwar im Hodensack, jedoch nicht im Hoden sondern neben ihm, z.B. im Nebenhoden oder im Samenstrang, lokalisiert sind. Diese Tumoren machen weniger als 10% aller Tumoren im Hodensack aus. Sie gehen in der Mehrzahl vom Bindegewebe aus und sind gutartig. Das therapeutische Vorgehen hierbei unterscheidet sich nicht von dem bei Hodentumoren.